Deutsche Ingenieurskunst einmal anders

Deutschland war einmal berühmt dafür, Technik besser und sicherer zu machen.

Heute gibt es eine bemerkenswerte Variante deutscher Ingenieurskunst: Man nimmt einen fertigen, serienmäßig entwickelten Vierrad-Pkw – zum Beispiel einen Fiat 500 – und baut ihn mit erheblichem Aufwand so um, dass er juristisch als Dreirad gilt.

Der Grund: Nach EU-Recht können zwei eng nebeneinanderliegende Hinterräder als ein Rad gewertet werden. Werden sie in der Fahrzeugmitte angeordnet, wird aus vier realen Rädern juristisch ein Dreirad der Klasse L5e.

Warum macht man das?

Weil solche Fahrzeuge bis 15 kW mit dem Führerschein A1 bereits ab 16 Jahren gefahren werden dürfen.

Die Rechnung lautet also:

4 Räder technisch → 3 Räder juristisch → Autofahren ab 16.

Das wäre lediglich kurios, wenn dadurch kein technischer Nachteil entstehen würde.

Doch genau hier beginnt der eigentliche Dilettantismus.

Der ADAC stellte beim Ellenator bereits 2018 eine Kippneigung fest und erklärte, der Umbau verschlechtere die Fahreigenschaften „massiv“. Gleichzeitig bezeichnete der ADAC die Konstruktion als Nutzung einer Gesetzeslücke und forderte deren Schließung.

Damit stellt sich eine einfache Frage:

Was wäre die vernünftige Lösung?

Die Gesetzeslücke schließen.

Was passiert stattdessen?

Man lässt die Regelung bestehen und baut weiterhin technisch vernünftige Vierradfahrzeuge aufwendig so um, dass sie juristisch hineinpassen.

Oder kurz:

Nicht das Gesetz wird an die technische Realität angepasst – die technische Realität wird verschlechtert, damit sie zum Gesetz passt.

Das ist die eigentliche Pointe.

Nicht die Dreiradtechnik ist unsinnig. Dreiräder gibt es seit mehr als hundert Jahren.

Unsinnig ist, einen bereits fertig entwickelten Vierrad-Pkw mit erheblichem Aufwand in ein fahrdynamisch ungünstigeres Fahrzeug umzubauen, nur damit es in eine günstigere gesetzliche Kategorie fällt.

Der Erfinder ist dabei nicht der Dilettant. Er hat eine vorhandene Regelung intelligent genutzt.

Der Dilettantismus liegt im System, das eine solche Konstruktion ermöglicht und die bekannte Gesetzeslücke trotz sicherheitstechnischer Kritik bestehen lässt.

Qualitätsurteil:

Ausgangsprodukt: bewährter Vierrad-Pkw
Umbau: teuer und technisch aufwendig
Ergebnis: juristisch günstiger, fahrdynamisch ungünstiger
ADAC: Gesetzeslücke schließen
Gesetzgeber: bislang keine grundlegende Lösung

Willkommen beim DILLETANTISMUS BRD.

Wo das Gesetz nicht zur Technik passt, wird eben die Technik passend gemacht.

FA, 14.09.2026